Abriss zur Entwicklung von Bombenflugzeugen

Luftfahrt macht zwar viel Spaß, ist aber nutzlos für die Armee
General Foch (Frankreich)

Kurzdefinition:

Ein- oder Mehrsitziges Flugzeug zum Bekämpfen von Erd- und Seezielen im Raum der Kampfhandlungnen, sowie im Hinterland des Gegners.

Im Gegensatz zu den Jagd- und Schlachtflugzeugen, die sich erst im Verlauf des ersten Weltkrieges herausbildeten, gab es Flugzeuge mit denen Bomben abgeworfen wurden bereits vor den Kampfhandlungen in Europa. Der erste belegbare Bombenabwurf dürfte am 1.November 1911 durch italienische Flugzeuge (Rumpler-Taube) in Nordafrika stattgefunden haben. Erste Bombenabwürfe noch von Hand Es wurden Flugzeuge verwendet die eine Last befördern konnten, die größer war als das Gewicht der Besatzung. Als Abwurfwaffen wurden Sprengladungen mit Lunte eingesetzt oder mit Stabilisierungsflossen versehene Artilleriegranaten. Das Zielen und den Abwurf übernahm der Pilot ( g.g.f. Beobachter) von Hand. In den Kampfhandlungen des Weltkrieges zeigte sich jedoch das die verwendeten Flugzeuge den Forderungen der Militärs nicht gewachsen waren.

In der Zeit vor und während des Ersten Weltkrieges wurden auch Luftschiffe zum Bombenabwurf verwendet. Sie hatten eine wesentlich größere Tragkraft und Reichweite. Nur mit Luftschiffen war es möglich Bombenangriffe in der Tiefe des gegnerischen Hinterlandes auszuführen.
Im Verlaufe der Kampfhandlungen zeigte sich aber, daß Geschwindigkeit und Wendigkeit der Entwicklung der gegnerischen Abwehr nicht standhalten konnten. Erste speziell konstruierte Bombenflugzeuge wurden im Verlaufe des I.Weltkrieges gebaut und eingesetzt. Erste richtig große Bomber setzte die russische Armee mit der Sikorsky "Ilja Muromez" ein.

Replikat einer Ilja Morumez
Replikat einer Ilja Morumez
Eigentlich war dieses Flugzeug bei seiner Entwicklung als Passagierflugzeug geplant. Aber der heraufziehende Krieg veranlasste die russische Armee 10 Flugzeuge zu kaufen.

In Plänen des deutschen Kaiserreiches spielte der Luftkrieg gegen das Hinterland der Entente schon sehr früh eine besondere Rolle. Dabei orientierte an sich auf des Starrluftschiff. Über die Möglichkeiten diese einzusetzen bestanden aber übertriebene Vorstellungen.
In der Nacht vom 20. zum 21. März 1915 eröffneten zwei Zeppeine mit Angriffen auf Paris den Bombenkrieg gegen das Hinterland des Gegners.
Der rasche Aufbau einer wirksamen Luftverteidigung sowie die Einführung von Brand- und Leuchtspurmunition zeigten eine verheerende Wirkung unter den mit Wasserstoff gefüllten deutschen Luftschiffen.
Auch auf Seiten der Entente wurden in dieser Zeit Vorbereitungen für Fernangriffe auf Berlin getroffen

Die in den 1920-er Jahren entworfenen und gebauten viermotorigen Fernbomber orientierten sich konstruktiv an den Maschinen des ersten Weltkrieges. Es handelte sich in der Mehrzahl um Drei- bzw. Doppeldecker mit Triebwerken in Tandemanordnung.

ANT-6 Die Entwicklung des modernen Bombenflugzeuges beginnt 1929 mit der unter Leitun von A.N. Tupolew entickelten ANT-6. Sie war der das erste Bombenfugzeug in Ganzmetallausführung als freitragender Eindecker mit nebeneinander in der Flügelnase angeordneten Triebwerken. Die hier gesammelten Erfahrungen flossen in die Entwicklung der TB-7/ Pe-8 ein.
Zu Beginn des zweiten Weltkrieges existierten nur in den USA und der UdSSR eisatzreife Typen moderner Langstreckenbomber. Den Höhepunkt erreichte die Entwicklung von Bombenflugzeugen mit Kolbenmotor mit der B-29 von Boeing.

Bomber sind als Träger von Abwurfwaffen für offensive Aufgaben vorgesehen. Je nach Reichweite und Gefechtswert kann man diese Kampfflugzeuge in taktische, operativ-taktische oder Frontbomber und in strategische oder Fernbomber einteilen. Nach Größe und Tragfähigkeit unterscheidet man zwischen leichten, mittleren und schweren Bombern. Eine Unterteilung in diesem Sinne war ursprünglich sicher nicht vorgesehen.
Dem heutigen Entwicklungsstand entsprechend gehören diese Flugzeuge bei Startmassen zwischen 17 000kg und 40 000kg zu den leichten, bei Startmassen zwischen 40 000 kg und 100 000 kg zu den mittleren und bei Startmassen zwischen 100 000 kg und 225 000 kg zu den schweren Bombern.
Leichte Bomber, die Abwurflasten zwischen 2 000 kg und 6 500 kg befördern, sind taktische Waffenträger. Schwere Bomber, die Waffenzuladungen bis zu 55 000 kg aufnehmen, sind strategische Trägermittel.
Mittlere Bomber werden vorwiegend in die strategischen Kampfflugzeuge eingestuft, verschiedentlich jedoch auch als operativ-taktische Trägermittel in einer besonderen Gruppe zusammengefaßt.
Eine Sonderstellung nehmen hier die Infanterie- oder Schlachtflugzeuge b.z.w. Jagdbomber ein. Fairchild A-10 Thunderbolt II Teilweise handelt es sich dabei um Eigenkonstruktionen, aber in vielen Fällen sind es Ableitungen aus Jagdflugzeugen oder Schulflugzeugen. Letztere können auch Aufgeben als Jagdflugzeug erfüllen.

Kernwaffen, Strahlantrieb, Hochgeschwindigkeitsaerodynamik, Elektronik und Flugbetankung lösten Mitte der 40er Jahre einen tiefgreifenden technischen und taktischen Wandel im gesamten Bombenflugwesen aus. Heute können alle modernen Bomber als Kernwaffenträger eingesetzt werden. Die Vernichtungskraft zweier taktischer Atombomben mit einem TNT-Äquivalent von je 15 Kilotonnen, die ein leichtes zweistrahliges Bombenflugzeug befördert, entspricht den konventionellen Abwurflasten von insgesamt 7 500 schweren Kolbenmotorbombern oder von rund 40 000 Granaten des Kalibers 105 mm.
Ein mit Wasserstoffbomben ausgerüstetes Fernkampfflugzeug vereinigt in sich die Zerstörungskraft sämtlicher Bomber des zweiten Weltkrieges.

Die neuen Waffen führten zu neuen taktischen Verfahren der Bombenfliegerkräfte. Die amerikaniche B-52 Der geschlossene Bomberpulk in Flughöhen von 7 000 bis 10 000 m wich Einzel- und Gruppenflügen in Bodennähe und in Höhen von mehr als 14 000 m.
Neue Angriffsmethoden mit überraschenden Tiefflugmanövern verdrängten den Reihenabwurf von Bomben auf großflächige Ziele. Strahlturbinen sowie Pfeil- und Deltatragflügel. die den konstruktiven Aufbau und die äußere Form der Bombenflugzeuge veränderten, ließen die Fluggeschwindigkeit sprunghaft anwachsen. 1949 erreichte Iljuschins Il-30 als erster Strahlbomber die 1000-km/h-Grenze;
1953 glichen sich die Geschwindigkeiten der neuesten Bombenflugzeuge denen der im Einsatz befindlichen Strahljäger an, und 1955 wurde in der UdSSR der erste Überschallbomber erprobt.

Heute stehen Strahlbomber verschiedener Leistungsklassen im Truppendienst, die mit Geschwindigkeiten zwischen Mach 0,8 und Mach 2,4 operieren und Höhen zwischen 12 000 m und 20 000 m erreichen.
Um bei hoher Waffenlast eine interkontinentale Eindringtiefe zu gewährleisten, sind alle modernen Fernkampfflugzeuge mit Flugbetankungsvorrichtungen ausgerüstet; innerhalb der strategischen Fliegerkräfte bestehen Lufttankereinheiten.

Nach dem zweiten Weltkrieg stand der Serienbau von Fernbombern bis Ende der 50er Jahre im Mittelpunkt der Entwicklung. Die aufbauend auf den Erfahrungen der deutschen V-1 entwickelten Raketen konnten noch nicht eingesetzt werden. Das Die sowjetische Tu-4 schwere Kampfflugzeug wurde zum ersten Träger für Atom- und Wasserstoffbomben. Bevor mit der ballistischen Interkontinentalrakete das adäquate Beförderungsmittel für thermonukleare Gefechtsköpfe entstand, war der Fernbomber bis 1956/57 der einzige H-Waffen-Transporteur. Bis in den Jahren 1959/60 eine genügende Anzahl von Mittel- und Langstreckenraketen zur Verfügung stand, blieb der schwere Bomber das wichtigste strategische Trägermittel für Kernwaffen. Mit dem Aufkommen der Fernraketen (1957 - Sputnik 1) veränderte sich der Haupteinsatzzweck der strategischen Bomberwaffe. Die schweren Kampfflugzeuge ursprünglich als entscheidendes Offensivmittel gegen die kriegswichtigen Zentren im feindlichen Hinterland bestimmt, sind heute vorwiegend zur Führung von Einsätzen gegen Ziele in der Tiefe der Landkriegsschauplätze vorgesehen. Wobei bis zum Ende des Krieges in Indochina der Einsatz gegen Flächenziele im Mittelpunkt stand.

Für das enge Zusammenwirken mit den Landstreitkräften im Frontgebiet wurden nach dem zweiten Weltkrieg zahlreiche taktische Strahlbomber konstruiert, die sowohl konventionelle als auch nukleare Abwurfwaffen mitführen können. Diese Kampfflugzeuge unterscheiden sich von den Jagdbombern vor allem durch einen anderen konstruktiven Aufbau des Rumpfes (teilweise mit getrennten Kabinen, verglastem Rumpfbug und bemanntem Heckstand) und in der Regel durch die Anordnung der Triebwerke an den Tragflächen. Jagdbomber befördern ihre Abwurflasten an externen Aufhängepunkten, Frontbomber vorwiegend in Waffenschächten. Bis Mitte der 1950er Jahre war die Tragfähigkeit der Jagdbomber geringer als die der leichten Bomber. Heute hat sich dieses Unterscheidungsmerkmal in sein Gegenteil verkehrt. Der moderne Jagdbomber kann durch die Außenaufhängung eine wesentlich größere Waffenmenge mitführen als der Frontbomber. Die Vorteile des Frontbombers liegen in der größeren Reichweite und in der Aufnahme einzelner schwerer Abwurfwaffen.
Neben besonderen Eigenentwicklungen (IL-28, Tu-14 und "Canberra") wurden seit Mitte der 50er Jahre mehrfach Frontbomber aus schweren Allwetterabfang- und Langstreckenjägern abgeleitet (Jak-25, Jak-28, MiG-25 und "Vautour").
Heute erfolgt der Einsatz hauptsächlich in kleinen Gruppen oder Einzeln gegen Punktziele (Komandostrukturen, Flugplätze, Raketensilos, u.ä.) mit Präzisionswaffen welche teilweise mit Hilfe des GPS-Systemes gesteuert werden können. Bis zu 3 Satelitten-Empfänger sind in moderne Bomben bzw. Lenkwaffen integriert.


 
Seitenende
Seite zurück
©  biancahoegel.de; 
Datum der letzten Änderung:  Jena, den: 27.11. 2021