Kartoffelkäfer

Andere Namen: Leptinotarsa decemlineata, Amikäfer, Colorado-Käfer(„Colorado beetle“)

Der Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata – etwa: „Zehnstreifen-Leichtfuß“) ist eine Art aus der Familie der Blattkäfer.
Die Schadensrelevanz des Kartoffelkäfers ist vor allem bei trocken-warmer Frühjahrs- und Sommerwitterung hoch. Unter diesen Witterungsbedingungen werden zwei und manchmal sogar drei Generationen gebildet. Üblich ist dagegen unter unseren Klimabedingungen nur eine pro Jahr. Deshalb entscheidet die Witterung, ob es zu ertragsrelevanten Fraßschäden durch die Larve kommen kann oder nicht.

Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata)

Verbreitungsgebiet
Der Kartoffeläfer ist heute weltweit verbreitet. Die ursprüngliche Heimat ist der Südwesten Nordamerikas, etwa der heutige US-Bundesstaat Colorado. Seine ursprüngliche Nahrungspflanze war der Stachel-Nachtschatten (Solanum rostratum), die – wie die Kartoffel – zur Familie der Nachtschattengewächse gehört. Der Übergang auf die Kartoffel vollzog sich im Verlauf des Vordringens weißer Siedler in den USA, die dort ihre Kartoffelpflanzungen anlegten.
In Europa wurde der Kartoffelkäfer erstmals 1877 in den Hafenanlagen von Liverpool und Rotterdam gesichtet. In Deutschland sind die ersten Funde für Mülheim am Rhein und Torgau ebenfalls für 1877 belegt. Bereits zu dieser Zeit wurde von erheblichen Anstrengungen berichtet, die Plage einzudämmen.
1887 und 1914 traten neue größere Befallsherde in Europa auf. 1922 vernichtete der Käfer 250 km2 Kartoffelbestände um Bordeaux. 1935 tauchte er in Lothringen und Belgien auf. 1936 wurde er erstmals in Luxemburg festgestellt.

Heutige Verbreitung von Käfer und Kartoffel

Merkmale
Der 7 bis 15 Millimeter lange Kartoffelkäfer ist gelb, wobei sein Halsschild schwarze Flecken aufweist und sich auf den Flügeldecken zehn dunkle Längsstreifen befinden. Bei Gefahr kann der Kartoffelkäfer ein Wehrsekret ausscheiden; seine auffällige Färbung wird daher als Warntracht gedeutet.

Nahrung Der Kartoffelkäfer und seine Larven ernähren sich von Teilen der Kartoffelpflanze. Daher auch der Name „Kartoffelkäfer“. Kartoffelkäfer können innerhalb kurzer Zeit ganze Felder kahl fressen. Es werden aber auch andere Nachtschattengewächse, insbesondere auch weitere Nutzpflanzen wie Aubergine, Paprika, Tabak und Tomaten befallen.

Bevor der Mensch den Kartoffelanbau forcierte, lebte der Kartoffelkäfer vorwiegend an der Büffelklette, die mittlerweile als Neophyt auch Deutschland erreicht hat.

Entwicklung
Die Käfer legen im Juni an den Blattunterseiten der Kartoffelpflanze jeweils Pakete von 20 bis 80 gelben Eiern ab. Insgesamt sind es pro Weibchen etwa 1200 Eier. Aus den Eiern schlüpfen nach 3 bis 12 Tagen die Larven. Sie sind rötlich und haben an den Seiten und am Kopf schwarze Punkte. Die Larven wachsen schnell heran und häuten sich dreimal. Nach 2 bis 4 Wochen kriechen sie in die Erde, um sich dort zu verpuppen. Nach ungefähr zwei weiteren Wochen schlüpfen die Kartoffelkäfer, die jedoch noch mindestens eine Woche im Boden bleiben. Pro Jahr treten ein bis zwei Käfergenerationen auf. Kartoffelkäfer überwintern im Boden.

Bekämpfung

Skelletierfraß an Kartoffelstaude, verursacht durch Larven
Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Im Jahr 1935 wurde in Deutschland auf Anregung der Biologischen Reichsanstalt durch den Reichsnährstand der Kartoffelkäfer-Abwehrdienst (KAD) gegründet, der unter anderem eine Kartoffelkäfer-Fibel an die Schulkinder verteilte. Mit dem Slogan „Sei ein Kämpfer, sei kein Schläfer, acht’ auf den Kartoffelkäfer!“ war jeder zur Kartoffelkäferbekämpfung aufgerufen. Die Schulkinder bekamen sogar manchmal schulfrei, um die Käfer einzusammeln. Aus Arbeitslosen oder Schulkindern, vor Kriegsbeginn auch aus Soldaten, wurden in den Dörfern Suchkolonnen gebildet, um Felder nach Kartoffelkäfern abzusuchen. Es gab Fangprämien und Ehrennadeln. Bei stark befallenen Feldern wurde das Kartoffelkraut gerodet und vernichtet, der Boden mit Schwefelkohlenstoff entseucht, die Kartoffelfelder im Umkreis mit Bleiarsen, später mit Kalkarsen besprüht.

1936 wurde in Moutier d’Ahun (Département Creuse) eine französisch-deutsche Arbeitsgemeinschaft zur Kartoffelkäferbekämpfung gegründet, 1940 in Kruft (Eifel) eine Kartoffelkäfer-Forschungsstation eingerichtet (später das Institut für biologische Schädlingsbekämpfung der Biologischen Bundesanstalt).

Nach Kriegsende wurde die Bekämpfung großflächig mit Insektizieden durchgeführt.
In Europa hatte der Kartoffelkäfer keine natürlichen Fressfeinde. Man versucht daher, der Käferplage durch Chemikalien (zunächst Arsen, später Insektizide aus der Gruppe der chlorierten Kohlenwasserstoffe (HCH und DDT) oder der Gruppe der synthetischen Pyrethroide) Herr zu werden. Wegen der Gefahr der Entwicklung von Pestizidresistenz ist unter Beachtung der Anwendungsbedingungen eine integrierte Bekämpfungsstrategie mit wechselnden Wirkstoffen erforderlich. Wirksam ist auch eine Infektion der Käfer mit bestimmten Bakterienstämmen, wie dem Bakterium Bacillus thuringiensis tenebrionis.


Es wurden bereits mehrere gentechnisch veränderte Kartoffelsorten getestet, die resistent gegen den Kartoffelkäfer sind. Ihnen wird insbesondere in Osteuropa und Russland Potenzial vorhergesagt.

Bei der Kartoffelkäferbekämpfung, dass zeigen die Erfahrungen der letzten Jahre, darf neben dem kurzfristigen Ziel, den Schädling im aktuellen Jahr sicher zu bekämpfen, das mittel- und langfristige Ziel, die möglichst lange Erhaltung der Wirksamkeit der vorhandenen Insektizide beziehungsweise das Hinauszögern von Resistenz, nicht aus dem Auge verloren werden.

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Basierend auf einem Artikel in: Wikipedia.de
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Datum der letzten Änderung:  Jena, den: 21.07. 2017