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Selensäure

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[4] ggf. erweitert [2]
Giftig oder sehr giftig Gesundheitsgefährdend Ätzend Umweltgefährlich
Gefahr
H- und P-Sätze H:
  • Giftig bei Einatmen.
  • Giftig bei Verschlucken.
  • Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden.
  • Kann die Organe schädigen (alle betroffenen Organe nennen, sofern bekannt) bei längerer oder wiederholter Exposition (Expositionsweg angeben, wenn schlüssig belegt ist, dass diese Gefahr bei keinem anderen Expositionsweg besteht).
  • Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.
P:
  • Freisetzung in die Umwelt vermeiden.
  • Schutzhandschuhe/ Schutzkleidung/ Augenschutz/ Gesichtsschutz/ Gehörschutz/ … tragen.
  • Bei Berührung mit der Haut [oder dem Haar]: Alle kontaminierten Kleidungsstücke sofort ausziehen. Haut mit Wasser abwaschen [oder duschen].
  • Bei Einatmen: Die Person an die frische Luft bringen und für ungehinderte Atmung sorgen. Sofort Giftinformationszentrum, Arzt oder … anrufen.
  • Bei Kontakt mit den Augen: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen.
  • Bei Unwohlsein ärztlichen Rat einholen / ärztliche Hilfe hinzuziehen.
[2]
MAK 0,05 mg/m3[2]

Selensäure ist eine starke (ähnlich wie Schwefelsäure) anorganische Säure mit der Summenformel H2SeO4. In wässriger Lösung liegt sie weitgehend dissoziiert vor und bildet eine klare, farblose Flüssigkeit. Die Selensäure wurde von Eilhard Mitscherlich 1827 in Deutschland entdeckt. Ihre Salze heißen Selenate.

Strukturformel
Allgemeines
Name Selensäure
Summenformel H2SeO4
Kurzbeschreibung

farblose hexagonale Prismen[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Extern 7783-08-6
EG-Nummer 231-979-4
ECHA-InfoCard Extern 100.029.072
PubChem Extern 1089
ChemSpider Extern 1058
DrugBank Extern DB11068
Eigenschaften
Molare Masse 144,97 g/mol
Aggregatzustand fest[1]
Dichte 2,95 g/cm3[2]
Schmelzpunkt 58 °C[2]
Siedepunkt Zersetzt sich ab 260 °C[2]
pKS-Wert 1,74 (pKs2)[3]
Löslichkeit gut in Wasser[2]

Gewinnung

Die Selensäure kann auf verschiedene Arten dargestellt werden.

Eine Möglichkeit ist die Oxidation von Seleniger Säure (H2SeO3) oder Selen(IV)-oxid mit Wasserstoffperoxid (H2O2), Kaliumpermanganat (KMnO4) oder Chlorsäure (HClO3):[5]

{\displaystyle \mathrm {H_{2}SeO_{3}+H_{2}O_{2}\ \rightarrow \ H_{2}SeO_{4}+H_{2}O} }
{\displaystyle {\mathrm {SeO} {\vphantom {A}}_{\smash[{t}]{2}}{}+{}\mathrm {H} {\vphantom {A}}_{\smash[{t}]{2}}\mathrm {O} {\vphantom {A}}_{\smash[{t}]{2}}{}\mathrel {\longrightarrow } {}\mathrm {H} {\vphantom {A}}_{\smash[{t}]{2}}\mathrm {SeO} {\vphantom {A}}_{\smash[{t}]{4}}}}

In der Regel wird jedoch elementares Selen mit Chlor- oder Bromwasser oxidiert:

{\displaystyle \mathrm {Se+3\ Cl_{2}+4\ H_{2}O\ \rightarrow \ H_{2}SeO_{4}+6\ HCl} }
{\displaystyle \mathrm {Se+3\ Br_{2}+4\ H_{2}O\ \rightarrow \ H_{2}SeO_{4}+6\ HBr} }

Eigenschaften

Reine Selensäure bildet farblose Kristalle, die bei etwa 62 °C schmelzen. Oberhalb von 260 °C zersetzt sie sich unter Wasserabspaltung zu Selendioxid und Sauerstoff.

Selensäure hat chemisch gesehen große Ähnlichkeit mit der Schwefelsäure, wirkt jedoch bedeutend stärker oxidierend (Standardpotential in saurer Lösung für die Reduktion zu Seleniger Säure: + 1,15 V[3]). Sie ist eine starke Säure und wirkt hygroskopisch. Dies bedeutet, dass sie, ebenso wie konzentrierte Schwefelsäure, organische Substanzen durch Wasserentzug verkohlt. Selensäure ist wie Königswasser in der Lage, Gold und Platin in Lösung zu bringen[6]:

{\displaystyle \mathrm {2\ Au+6\ H_{2}SeO_{4}\ \rightarrow } } {\displaystyle \mathrm {Au_{2}(SeO_{4})_{3}+3\ H_{2}SeO_{3}+3\ H_{2}O} }

Ein Gemisch aus Selensäure und Salzsäure bildet analog zum Königswasser naszierendes Chlor.

{\displaystyle \mathrm {H_{2}SeO_{4}+2\ HCl\longrightarrow H_{2}SeO_{3}+2\ Cl_{nasc.}+\ H_{2}O} }

Dieses Gemisch vermag ebenfalls Gold unter Bildung von Chlorokomplexen zu lösen.[7]

Die Salze der Selensäure (die Selenate) haben oftmals ein niedriges Löslichkeitsprodukt in Wasser, ähnlich den Sulfaten.

Sicherheitshinweise

Selensäure wirkt auf Haut, Atemwege und Schleimhäute stark reizend. Sie ist in der Lage lebendes Gewebe zu zerstören (Verätzung). Aussetzung mit der Verbindung über einen längeren Zeitraum kann schwere physiologische Schäden verursachen. Selensäure ist giftig. Bei Intoxikationen mit Selenverbindungen muss mit bleibenden Schäden gerechnet werden.[2]

Verwendung

Durch Reaktion von Cadmiumoxid mit konzentrierter Selensäure kann Cadmiumselenat gewonnen werden.[8]

{\displaystyle \mathrm {CdO\ +H_{2}SeO_{4}\rightarrow CdSeO_{4}+H_{2}O} }

Einzelnachweise

  1. Hochspringen nach: 1 2 Eintrag zu Extern Selensäure. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 21. Oktober 2026.
  2. Hochspringen nach: 1 2 3 4 5 6 7 8 Eintrag zu Extern Selensäure in der GESTIS-Stoffdatenbank des Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, abgerufen am 21. Oktober 2026. (JavaScript erforderlich)
  3. Hochspringen nach: 1 2 A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 101. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-012641-9.
  4. ↑ Nicht explizit in Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP) gelistet, fällt aber mit der angegebenen Kennzeichnung unter den Gruppeneintrag Extern Selenverbindungen mit Ausnahme von Cadmiumsulfoselenid, soweit in diesem Anhang nicht gesondert aufgeführt in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 21. Oktober 2026. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung Extern erweitern.
  5. ↑ G. Brauer (Hrsg.), Handbook of Preparative Inorganic Chemistry 2nd ed., vol. 1, Academic Press 1963, S. 432–3.
  6. ↑ Dr. Heinrich Remy: Lehrbuch der Anorganischen Chemie Band I, Seite 909, Leipzig 1970, Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig K.-G.
  7. ↑ Erwin Riedel, Christoph Janiak: Anorganische Chemie. 8. Auflage. de Gruyter, 2011, ISBN 3-11-022566-2, S. 458.
  8. ↑ C. Stålhandske: Structure of cadmium selenate monohydrate. In: Acta Crystallographica Section B Structural Crystallography and Crystal Chemistry. 37, S. 2055, doi: Extern 10.1107/S0567740881007942.
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Basierend auf einem Artikel in: Extern Wikipedia.de
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 21.10. 2026