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Cortison

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P:
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  • Vor Gebrauch alle Sicherheitshinweise lesen und verstehen.
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  • Bei Exposition oder falls betroffen: Ärztlichen Rat Einholen / ärztliche Hilfe hinzuziehen.
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[3]

Cortison (von lateinisch cortex ‚Rinde‘, Schreibweise auch Kortison) ist ein Steroidhormon, das um 1935 in der Nebennierenrinde des Menschen gefunden wurde und auch synthetisch hergestellt werden kann. Cortison ist die durch Oxidation inaktivierte Form des Glucocorticoids Cortisol, das im Kohlenhydrathaushalt, dem Fettstoffwechsel und dem Proteinumsatz Bedeutung besitzt. Zu Therapiezwecken wurde der Essigsäureester Cortisonacetat eingesetzt.[2] Umgangssprachlich werden Glucocorticoide,[4] Medikamente mit Cortisolwirkung – vor allem Prednisolon und Dexamethason – häufig als „Cortison“ bezeichnet. Wenn von den Nebenwirkungen von Cortison die Rede ist, geht es um die Nebenwirkungen der Glucocorticoide.

Strukturformel
Strukturformel von Cortison
Allgemeines
Freiname Cortison
Andere Namen
  • 17α,21-Dihydroxypregn-4-en-3,11,20-trion (IUPAC)
  • 11-Dehydro-17-hydroxycorticosteron
  • 11-Dehydro-17-hydroxycorticosteron-21-acetat (Cortisonacetat)
Summenformel
  • C21H28O5 (freie base)
  • C23H30O6 (Cortisonacetat)
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 200-162-4
ECHA-InfoCard Extern 100.000.149
PubChem Extern 222786
ChemSpider Extern 193441
DrugBank Extern DB14681
Arzneistoffangaben
ATC-Code H02 Extern AB10
Wirkstoffklasse Glucocorticoide
Eigenschaften
Molare Masse
  • 360,45 g/mol (freie Base)
  • 402,5 g/mol (Cortisonacetat)
Schmelzpunkt
  • 222 °C (Cortison)[1]
  • 235 °C (Cortisonacetat)[2]
Siedepunkt Zersetzung ab 240 °C[2]
Löslichkeit sehr schwer in Wasser (Cortison, 280 mg/l bei 25 °C)[1]

Entdeckungsgeschichte

1929/30 wurde entdeckt, dass Tiere, denen man die Nebenniere entfernt hatte, am Leben blieben, wenn ihnen Extrakte aus der Nebennierenrinde verabreicht werden.[5] Cortison wurde in den Jahren 1935–1940 von verschiedenen Arbeitsgruppen aus tierischen Nebennierenrinden isoliert und unterschiedlich bezeichnet: als „compound F“ von Oskar Wintersteiner, als „Substanz Fa“ durch Tadeus Reichstein und als „compound E“ von der Arbeitsgruppe um Edward Calvin Kendall. Die hydrierte Form Cortisol oder Hydrocortison wurde 1937/38 von Reichstein hergestellt. Später stellte sich heraus, dass Cortison (ein „11-Oxykortikosteroid“[6]) ein Oxidationsprodukt des eigentlichen Hormons Cortisol ist. Die Partialsynthese von Cortison aus Desoxycholsäure gelang zuerst während des Zweiten Weltkriegs Lewis Hastings Sarett bei Merck & Co.[7] Der Mediziner Philip Hench injizierte im Jahr 1948 erstmals einer Patientin mit schwerem Rheuma Cortison, die daraufhin schmerzfrei war.[5] Zwei Jahre später erhielten Kendall, Reichstein und Hench gemeinsam „für ihre Entdeckungen bei den Hormonen der Nebennierenrinde, ihrer Struktur und ihrer biologischen Wirkungen“ den Nobelpreis für Medizin. Im Jahr 1951 fand Robert Woodward erstmals einen Weg für die Totalsynthese von Cortison.

Physiologische Wirkung

Cortison selbst besitzt keinerlei Wirkung auf den Organismus, da es weder an den Glucocorticoid-Rezeptor noch an den Mineralocorticoid-Rezeptor bindet. Deshalb ist eine topische Anwendung, zum Beispiel auf der Haut, nicht sinnvoll. In der Lokaltherapie kommen statt Cortison Corticosteroide zum Einsatz, die nicht metabolisiert werden müssen, um biologisch aktiv zu sein.[8] Bei peroraler oder intravenöser Aufnahme wird Cortison durch das Enzym 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase 1 in der Leber zu Cortisol umgewandelt, das die eigentliche Wirkung zeigt (siehe Cortisolwirkung).[9]

Therapeutische Anwendung

Zu Therapiezwecken ist der synthetisch hergestellte Resorptionsester Cortisonacetat geeignet, da er nach oraler Verabreichung schnell resorbiert wird. Nach der Hydrolyse zu Cortison wird in der Leber das biologisch aktive Cortisol gebildet.

Einsatzgebiet

Cortisonacetat ist für die systemische Aufnahme in Form von Tabletten vorgesehen. Der Wirkstoff kann verwendet werden, um einen Mangel an körpereigenem Cortisol, wie er bei der primären Nebennierenrindeninsuffizienz auftritt, auszugleichen (Substitutionstherapie).[10] Heute werden für solche Therapiezwecke allerdings andere Glucocorticoide eingesetzt, zum Beispiel Hydrocortison (Cortisol) und Prednisolon.[10]

Pharmakologische Eigenschaften

Cortisonacetat verfügt über glucocorticoide und mineralocorticoide Eigenschaften. Letztere sind ausgeprägter als bei anderen (neueren) synthetischen Steroiden. Die Bioverfügbarkeit von Cortisol aus Cortisonacetat entspricht etwa 80 % einer vergleichbaren, oral verabreichten Cortisol-Dosis.[11] Die Wirkungsdauer beträgt etwa acht bis zwölf Stunden, womit Cortison(acetat) ein kurzwirksames Glucocorticoid ist. Die Halbwertszeit im Blutplasma liegt bei etwa einer Stunde.[9]


Nebenwirkungen

Bei Substitutionstherapie mit physiologisch angepassten Dosen – wie nach Indikation vorgesehen – sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.[12]

Nach Überdosierung über einen längeren Zeitraum können sich Symptome eines Cushing-Syndroms einstellen, die sich in Muskelschwäche oder Muskelschwund (Cortisonmyopathie), Osteoporose, aseptischen Knochennekrosen (Kopf des Oberarm- und Oberschenkelknochens), Dehnungsstreifen (Striae rubrae), verzögerter Wundheilung, Steroidakne, punktförmigen Hautblutungen (Petechien), Blutergüssen, Steigerung des Augeninnendrucks (Glaukom), Linsentrübung (Grauer Star), Hemmung der Magenschleimproduktion, in seltenen Fällen lang anhaltendem Schluckauf, erhöhtem Blutzuckerspiegel, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Wassereinlagerung im Gewebe, Vollmondgesicht, vermehrter Kaliumausscheidung, Wachstumsstörungen bei Kindern, Störungen der Sexualhormonsekretion (Ausbleiben der Menstruationsblutung, abnormer Haarwuchs, Impotenz), „Stiernacken“, Blutbildveränderungen (Leukozytose, Lymphopenie, Eosinopenie, Polyglobulie), Erhöhung des Infektrisikos und Immunschwäche äußern.

Bei kurzfristiger, hochdosierter systemischer Anwendung können vor allem neuropsychiatrische Symptome auftreten, wie Konvulsionen, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Euphorie, Depressionen und Psychosen. Darüber hinaus kann diese Anwendung zur Manifestation einer latenten Epilepsie führen.

Handelspräparate

Nach Herstellerangaben wurde im Jahre 2008 das letzte auf dem deutschen Markt verfügbare Fertigpräparat, Cortison CIBA, wegen Qualitätsproblemen des Zulieferers vom Markt genommen.[13]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Hochspringen nach: a b Eintrag zu Extern Cortisone in der der United States National Library of Medicine (NLM).
  2. ↑ Hochspringen nach: a b c A. W Frahm, H. H. J. Hager, F. v. Bruchhausen, M. Albinus, H. Hager: Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. Folgeband 4: Stoffe A–K. Birkhäuser, 1999, ISBN 978-3-540-52688-9, S. 1099.
  3. ↑ Hochspringen nach: a b Datenblatt Extern Cortisone, ≥ 98 % bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 27. September 2026 ( Extern PDF).
  4. ↑ Gemeint sind künstliche Glucocorticoide.
  5. ↑ Hochspringen nach: a b Peter Dilg: Cortison. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 275.
  6. ↑ Wilhelm Stepp: Was leistet die Diät in der modernen Krankenbehandlung. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 25–31 (Vortrag vor den Ärzten Vorarlbergs in Dornbirn am 20. Mai 1952), hier: S. 28–29.
  7. ↑ Arthur A. Patchett: Extern Lewis Hastings Sarett 1917–1999. (PDF; 156 kB) In: Biographical Memoirs, Vol. 81, 2002, The National Academy Press, Washington DC.
  8. ↑ Florian Horn: Biochemie des Menschen: Das Lehrbuch für das Medizinstudium, 3. Auflage, Thieme-Verlag 2005; S. 371. ISBN 3-13-130883-4.
  9. ↑ Hochspringen nach: a b Eintrag zu Extern Cortison bei Vetpharm, abgerufen am 27. September 2026.
  10. ↑ Hochspringen nach: a b K. Hardtke et al. (Hrsg.): Kommentar zum Europäischen Arzneibuch Ph. Eur. 4.0, Cortisonacetat. Loseblattsammlung, 18. Lieferung 2004, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  11. ↑ V. J. Heazelwood, J. P. Galligan, G. R. Cannell, F. Bochner, R. H. Mortimer: Plasma cortisol delivery from oral cortisol and cortisone acetate: relative bioavailability. In: Br. J. Clin. Pharmacol, 17(1), 1984, S. 55–59; Extern PMC 1463287 (freier Volltext).
  12. ↑ Extern Fachinformation zu Cortison Ciba®
  13. ↑ Wichtige Information! In: Glandula, Novartis Pharma GmbH, Heft 01/08, S. 23, Extern glandula-online.de (PDF; 2,4 MB)
  14. ↑ Extern Rezensionen bei Perlentaucher,de
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Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 27.09. 2026