Technik/Technologie
Das Wort Technik stammt von griechisch τεχνικός technikós und leitet sich ab von τέχνη téchnē, zu Deutsch etwa Kunst, Handwerk, Kunstfertigkeit.
Technik ist kein isolierter, selbständiger Bereich, sondern die geplante Vorgehensweise und sachmittelgerechte Ausstattung zur Aufgabenerledigung auf das Engste mit menschlicher Arbeit, Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur verflochten.
„Technik“ kann bedeuten:
- die Artes mechanicae oder die „praktische Künste“; sie wurden während des Altertums, des Mittelalters und der Renaissance unter dem Begriff der „Technik“ zusammengefasst;
- die Gesamtheit der menschengemachten Gegenstände (Bauwerke, Anlagen, Maschinen, Geräte, Apparate usw.);
- ein besonderes Können in beliebigen Bereichen menschlicher Tätigkeit (Fertigkeit, Geschicklichkeit/Gewandtheit usw., z.B. körperlich: Technik des Weitsprungs; geistig: Technik des Kopfrechnens; sozial: Technik der Unternehmensführung);
- eine Form des Handelns und Wissens in beliebigen Bereichen menschlicher Tätigkeit (Planmäßigkeit, Zweckrationalität, Wiederholbarkeit usw.);
- das Prinzip der menschlichen Weltbemächtigung.
Es gibt Versuche, diese verschiedenen Bedeutungen auf einen gemeinsamen Grundbegriff zurückzuführen. Doch scheinen die Technikbegriffe zu unterschiedlich, als dass man sie ohne Weiteres vereinheitlichen könnte. Im Folgenden werden weitläufige Wortverwendungen vor allem nach (2), (3) und (4) beiseitegelassen. „Technik“ wird als wohlbestimmter Ausdruck der Technikforschung und -lehre betrachtet, der die technische Bedeutung (1) als notwendiges, wenn auch nicht hinreichendes Bestimmungsmerkmal enthält.
Ab dem neunzehnten Jahrhundert begannen Kontinentaleuropäer, die Begriffe Technik zu verwenden (Deutsch) oder technique (Französisch) auf eine "Art der Arbeit" [Marx] zu verweisen, die alle technischen Künste wie Tanzen, Navigation oder Drucken umfasste, unabhängig davon, ob sie Werkzeuge oder Instrumente erforderten oder nicht. Damals, Technologie (Deutsch und Französisch) bezog sich entweder auf die akademische Disziplin, die die "Methoden des Kunsthandwerks" untersucht, oder auf die politische Disziplin, die "die Aufgaben des Kunsthandwerks gesetzlich festlegen" soll. Die Unterscheidung zwischen Technik und Technologie ist auf Englisch abwesend, und so wurden beide als Technologie übersetzt. Der Begriff war bisher in englischer Sprache ungewöhnlich und bezog sich hauptsächlich auf die akademische Disziplin, wie im Massachusetts Institute of Technology.
Technik ist die Anwendung von konzeptionellem Wissen, um praktische Ziele zu erreichen, insbesondere auf reproduzierbare Weise. Während Technik zur wirtschaftlichen Entwicklung beiträgt und den menschlichen Wohlstand verbessert, kann sie auch negative Auswirkungen wie Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch haben und soziale Schäden verursachen, wie Arbeitslosigkeit, die durch Automatisierung verursacht wird. Infolgedessen laufen philosophische und politische Debatten über die Rolle und den Einsatz von Technik, die Ethik der Technik und Möglichkeiten, ihre Nachteile zu mildern.
Technische Systeme gehen bei aller Künstlichkeit moderner Werkstoffe letztlich auf Naturstoffe zurück, sie setzen bei ihrer Verwendung Stoff und Energie um, und am Ende ihrer Lebensdauer werden sie selbst zu Abfall. So bringen sie grundsätzlich Eingriffe in das natürliche Ökosystem mit sich, die allerdings in der Vergangenheit häufig zu wenig beachtet wurden. Erst mit dem gewaltigen Anstieg der Umweltbelastungen verbreitet sich in den Ingenieurwissenschaften und in der technischen Praxis die Einsicht, dass auch die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Ökologie bei technischen Systemen zu berücksichtigen sind, damit der Verbrauch an natürlichen Ressourcen und die schädlichen Emissionen und Deponate zugunsten des Umweltschutzes begrenzt werden.
Einteilung
Herkömmlicherweise wird die Technik nach ingenieurwissenschaftlichen Fachgebieten oder nach Industriebranchen eingeteilt (Bergbau- und Hüttentechnik, Bautechnik, Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Feinwerktechnik, Chemietechnik, Elektrotechnik, Agrartechnik usw.). Die jeweilige Eigenart der eingesetzten und hervorgebrachten Technik lässt sich damit aber nur sehr unzureichend kennzeichnen; z. B. werden im Maschinenbau energietechnische, produktionstechnische sowie förder- und verkehrstechnische Systeme hergestellt.
Die Funktionen der technischen Systeme und die Teilfunktionen ihrer Subsysteme werden durch naturale Wirkungszusammenhänge realisiert, die (bekannten oder noch nicht bekannten) Naturgesetzen unterliegen. W. Brian Arthur definiert als Quintessenz von Technik die Fähigkeit des „capturing phenomena“, d.h. die Kapselung von zuverlässig beherrschten kausalen Wirkungsmechanismen.[1] Noch pointierter drückt es Luhmann aus: Technik sei „funktionierende Simplifikation im Medium der Kausalität“.[2]
Literatur
- Karl Marx: Das Kapital. Bd. 1: Der Produktionsprozess des Kapitals. 8. Auflage. Dietz, Berlin 1959 (Erstausgabe 1867, besonders Kap. 13).
- Martin Heidegger: Die Frage nach der Technik (1953), in: Ders., Vorträge und Aufsätze, Stuttgart 1997, S. 9–40.
Einzelnachweise
- ↑ W. Brian Arthur, The Nature of Technology, New York etc.: Free Press 2009, S. 56.
- ↑ Niklas Luhmann, Soziologie des Risikos, Berlin 1991, S. 97.


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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 10.09. 2026