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Phytinsäure

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[2] Kaliumsalz
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze[2]
Haworth-Projektion der Phytinsäure als Hexaanion.

Phytinsäure (Hexaphosphorsäureester des myo-Inosits, IP6) gehört zu den bioaktiven Substanzen. Sie dient in Pflanzen wie Hülsenfrüchten, Getreide und Ölsaaten als Speicher für Phosphat und Kationen (für Kalium-, Magnesium-, Calcium-, Mangan-, Barium- und Eisen(II)-Ionen), die der Keimling zum Wachstum benötigt. Aufgrund ihrer komplexbildenden Eigenschaften kann sie vom Menschen mit der Nahrung aufgenommene Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Eisen und Zink in Magen und Darm unlöslich binden, so dass diese dem Körper nicht mehr zur Verfügung stehen.

Strukturformel
Struktur von Phytinsäure
Allgemeines
Name Phytinsäure
Andere Namen
Summenformel C6H18O24P6
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 201-506-6
ECHA-InfoCard Extern 100.001.369
PubChem Extern 890
ChemSpider Extern 16735966
DrugBank Extern DB14981
Arzneistoffangaben
ATC-Code V09 Extern DB07
Eigenschaften
Molare Masse 660,04 g/mol−1
Aggregatzustand fest (Kaliumsalz)[2]

Gewinnung und Darstellung

Phytinsäure wird aus Maisquellwasser[3] und Reisschalen gewonnen und kommt in der Natur als Anion, Phytat genannt, vor.

Verwendung

Phytinsäure und ihre Metallsalze werden als Komplexbildner hauptsächlich in der Lebensmittelindustrie[4] und als Düngerzusatz, beispielsweise für Hydrokulturdünger, eingesetzt.

Nuklearmedizin

Das radioaktive 99mTechnetium­phytat wird in der Nuklearmedizin als Tracer bei der statischen Leberszintigrafie verwendet.

Lebensmittel

Außerhalb der EU werden die Salze Calciumphytat und Calcium-Magnesium-Phytat als Klärmittel für Getränke eingesetzt.[5]

Restaurierung

Bei der Restaurierung historischer Dokumente nutzt man Phytat, um das Eisen in Eisengallustinten zu komplexieren und die Oxidation der Zellulose und damit den Zerfall der Dokumente (sog. „Tintenfraß“) zu beenden.[6][7]

Phytinsäure in der Ernährung

Mineralien werden in der Regel im Dünndarm resorbiert. Bestimmte Nahrungsbestandteile allerdings, zu denen auch die Phytinsäure zählt,[8] können mit Mineralien feste Komplexe bilden und dadurch deren Aufnahme in den Körper behindern. Außerdem werden körpereigenes Calcium, Magnesium und Zink in einem Recycling-Prozess über die Verdauungssekrete der Bauchspeicheldrüse wieder in den Dünndarm abgegeben und von dort aus normalerweise rückresorbiert.

Da die durch Phytinsäure gebundenen Mineralstoffe vom Körper nicht aufgenommen werden können, wird sie teils als unerwünschter Inhaltsstoff in Lebensmitteln angesehen. Methoden zur Reduktion von Phytinsäure sind:[9]

Bei phytinreicher Ernährung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung seit 2019 eine erhöhte Zinkzufuhr.[10]

Diskutiert werden neben den antinutritiven Eigenschaften der Phytinsäure auch mögliche positive Eigenschaften als Antioxidans und ein Schutz gegen Krebs oder Nierensteine.[11] Zu einer gesunden Ernährung gehören daher trotz bzw. wegen der enthaltenen Phytinsäure Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Samen und Nüsse.[12]

Phytat und Gülle

Wiederkäuer sind die einzigen Säugetiere, die Phytinsäure abbauen und das dabei anfallende Phosphat verwerten können. Die Bakterien in ihrem Magen produzieren das Enzym Phytase, das den Abbau von Phytat zu Zucker und Phosphat ermöglicht.

Die Gülle der Wiederkäuer ist daher phosphatarm, im Gegensatz zu den Ausscheidungsprodukten anderer Nutztiere, die bei hohen Bestandsdichten ein ernsthaftes Entsorgungs- und Umweltproblem bedeuten können.

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Extern PHYTIC ACID in der CosIng-Datenbank der EU-Kommission, abgerufen am 13. Juni 2026.
  2. Hochspringen nach: 1 2 3 Datenblatt Extern Phytic acid dipotassium salt bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 13. Juni 2026, ( Extern PDF).
  3. Extern Phytinsäure. In: Lexikon der Biochemie. Spektrum Akademischer Verlag, abgerufen am 13. Juni 2026.
  4. Hans-Dieter Belitz: Lehrbuch der Lebensmittelchemie. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-662-08308-6, S. 368 ( Extern eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Zusatzstoffe in der EU (Stand Dezember 2011;).
  6. Extern Erläuterung von Tintenfraß und Gegenmaßnahmen im "Forum Bestandserhaltung" der Universität Münster mit Literaturangaben, zuletzt abgerufen am 25. September 2014. (im Internet-Archiv)
  7. Extern IADA, Internationale Arbeitsgemeinschaft der Archiv-, Bibliotheks- und Graphikrestauratoren.
  8. Andreas Hahn, Alexander Ströhle, Maike Wolters: Ernährung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2006, ISBN 3-8047-2293-8.
  9. Extern Phytic Acid 101: Everything You Need to Know. 28. Juni 2018, abgerufen am 13. Juni 2026 (englisch).
  10. Extern Referenzwerte für Zink. DGE, abgerufen am 13. Juni 2026.
  11. Phytic Acid 101: Everything You Need to Know. 28. Juni 2018, abgerufen am 13. Juni 2026 (englisch).
  12. E. V. Shikh, A. A. Makhova, O. B. Dorogun, E. V. Elizarova: [The role of phytates in human nutrition]. In: Voprosy Pitaniia. Band 92, Nr. 4, 2023, S. 20–28, doi: Extern 10.33029/0042-8833-2023-92-4-20-28, Extern PMID 37801451.

Literatur

Hinweis zu Gesundheitsthemen
Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!
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Basierend auf einem Artikel in: Extern Wikipedia.de
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 01.06. 2026